Foto: Barsbütteler Rundfunk
Abriss und Neubau in Billstedt: Streit um SAGA-Siedlung an der Möllner Landstraße
Billstedt – Der Widerstand gegen die Abrisspläne der SAGA in Hamburg-Billstedt wächst. Mehr als 100 Unterschriften sammelten betroffene Mieter bereits am vergangenen Freitag. Ihr Ziel: den geplanten Abriss einer seit Jahrzehnten gewachsenen Reihenhaussiedlung verhindern oder zumindest sozialverträgliche Lösungen erzwingen.

Betroffen sind insgesamt 176 Wohneinheiten, darunter 37 Reihenhäuser entlang der Möllner Landstraße nahe der Merkenstraße. Die Siedlung aus den 1950er-Jahren gilt für viele Bewohner als weit mehr als reiner Wohnraum – sie ist Heimat, Nachbarschaft und Lebensmittelpunkt.
Die SAGA Hamburg plant, die Gebäude ab 2029 abzureißen. An ihrer Stelle sollen Neubauten mit bis zu acht Geschossen entstehen. Rund 300 neue Wohnungen sind vorgesehen.

Für viele langjährige Bewohner kommt diese Nachricht einem Schock gleich.
Besonders groß ist die Sorge unter älteren Mietern. Viele leben seit Jahrzehnten in der Siedlung und sind inzwischen im Rentenalter. Sie fürchten nicht nur steigende Wohnkosten, sondern auch den Verlust ihres sozialen Umfelds.
Einer der Betroffenen ist Ernst G., der seit rund 20 Jahren in seinem Reihenhaus lebt. Erst vor Kurzem investierte er viel Zeit, Kraft und eigenes Geld in die Sanierung seines Zuhauses.
„Ich habe hier alles in Eigenleistung gemacht“, berichtet er. Möbel und Einbauten seien exakt auf das Haus zugeschnitten. Ein Umzug würde für ihn nicht nur emotional, sondern auch finanziell schwere Folgen haben.
Hinzu kommt seine familiäre Situation: Auch sein Sohn lebt mit dessen Kind im selben Haus. Mehrere Generationen teilen dort ihren Alltag.
Auch Uwe Everding-Böhm (71) gehört zu den Betroffenen. Er lebt seit mehr als 30 Jahren in der Siedlung und ist schwer krank. Nach eigenen Angaben leidet er an zwei Krebserkrankungen.
„Ich möchte die letzten Jahre meines Lebens in meinem Zuhause verbringen“, sagt er.
Kritisch sehen viele Bewohner vor allem die Kosten möglicher Ersatzwohnungen. Zahlreiche Mieter zahlen aktuell Warmmieten zwischen 650 und 1.100 Euro.
Ein von der SAGA vorgestelltes Beispiel zeigt ein 4-Zimmer-Reihenhaus mit rund 95 Quadratmetern Wohnfläche. Die monatliche Warmmiete liegt bei rund 1.606 Euro.

Für viele Betroffene ist das kaum bezahlbar.
Nach einem Bericht des Hamburger Abendblatts reagierte die SAGA inzwischen mit einem Schreiben an die Bewohner. Darin betont das Unternehmen, Fragen und Sorgen der Mieter ernst zu nehmen und individuelle Gespräche anzubieten.
Viele Bewohner wünschen sich jedoch verbindlichere Zusagen insbesondere zu bezahlbarem Ersatzwohnraum, Mietobergrenzen und langfristiger Planungssicherheit.
Mit jeder weiteren Unterschrift wächst der Druck auf Politik und Wohnungsunternehmen. Für die betroffenen Familien geht es um weit mehr als einen Umzug.
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