Billstedt – Nach einem mutmaßlichen Brandanschlag auf den Hähnchengrill „Jürs“ in Hamburg-Billstedt ermittelt das Landeskriminalamt wegen vorsätzlicher Brandstiftung. Verletzt wurde bei dem Vorfall in der Nacht zu Dienstag niemand. Nur durch das schnelle Eingreifen des Betreibers konnte offenbar ein noch größerer Schaden verhindert werden.
Nach bisherigen Erkenntnissen entzündeten Unbekannte gegen 2.50 Uhr eine brennbare Flüssigkeit vor dem Imbiss in der Kapellenstraße. Der 49 Jahre alte Betreiber hielt sich zu diesem Zeitpunkt noch im Gebäude auf. Nach einem lauten Knall bemerkte er das Feuer im Eingangsbereich und griff sofort ein. Mit eigenen Mitteln gelang es ihm, die Flammen noch vor dem Eintreffen der Feuerwehr zu löschen.
Durch das schnelle Handeln des Imbissbetreibers konnte nach Einschätzung aus dem Umfeld womöglich nicht nur die Existenz des Traditionsgeschäfts gesichert werden. Auch das historische Gebäude aus dem 18. Jahrhundert sowie eine angrenzende bewohnte Wohnung blieben offenbar vor einem größeren Feuer bewahrt. Trotzdem entstanden Schäden an Fassade, Rollläden und Markisen.
Die Polizei leitete in der Nacht eine Fahndung ein und suchte auch die Umgebung nach möglichen Tatverdächtigen ab. In unmittelbarer Nähe des Brandortes fanden Ermittler zudem ein Gefäß mit brennbarer Flüssigkeit, das sichergestellt wurde.
Im Zuge von Zeugenbefragungen erhielten die Beamten Hinweise auf einen Mann, der sich zur Tatzeit humpelnd vom Brandort entfernt haben soll. Der Unbekannte wird als etwa 50 Jahre alt und rund 1,80 Meter groß beschrieben. Ob es sich dabei um den Täter handelt, ist derzeit noch unklar.

Der Hähnchengrill „Jürs“ gilt in Billstedt seit Jahren als feste Institution und ist besonders in der Fanszene des Hamburger SV bekannt. Auch der Fanclub „Billstedter Jungs“ hat dort seinen Treffpunkt. Mitglieder zeigten sich nach der Tat erschüttert, gehen jedoch nicht davon aus, dass sich der Anschlag gezielt gegen die HSV-Fanszene richtete.
Mehrere Anhänger beschrieben den Imbiss im Gespräch mit Reportern vor Ort als weit mehr als nur einen gewöhnlichen Schnellimbiss. Der Betreiber sei für viele Menschen im Stadtteil eine feste Anlaufstelle und aus dem Viertel kaum wegzudenken.
Die Ermittlungen dauern an. Die Polizei bittet Zeugen, sich unter der Telefonnummer 040 4286-56789 oder bei einer Polizeidienststelle zu melden.
